ProfiCost
ProfiCost Gemüse ist eine Vollkosten- und Deckungsbeitragsrechnung für den Anbau von Gemüsekulturen.
12. Unternehmertagung Gemüse Schweiz im Kanton Genf
Am 17. und 18. September 2026 trafen sich rund 40 Gemüseproduzenten, Fachberater und weitere Akteure der Schweizer Gemüsebranche am Ende des Genfersees, um das «Erfolgsmodell des Genfer Gemüsebaus» kennenzulernen.
Die nächste Unternehmertagung findet am 23. und 24. September 2027 im Seeland statt.
Die 12. Ausgabe des Seminars der Schweizer Gemüsebauunternehmer wurde gemeinsam von der Association des Maraîchers du Genevois (AMDG) und dem Office Technique Maraîcher (OTM) organisiert. Wie bereits bei der ersten Ausgabe fand die Veranstaltung im Kanton Genf statt. Damit wurde die Kontinuität und der Erfolg des von der SZG entwickelten Veranstaltungsformats unterstrichen.
Eine strukturierte Wertschöpfungskette rund um eine Genossenschaft: die UMG
Die Union maraîchère de Genève (UMG) in Perly ist eine 1949 gegründete Genossenschaft, welche die Erzeugnisse ihrer 30 Mitglieder vermarktet. Die Genfer Gemüseproduzenten gelten als Pioniere im bodenunabhängigen Anbau und nehmen bei der Schweizer Tomatenproduktion eine wichtige Stellung ein.
Als besondere Herausforderungen wurden unter anderem die komplexe Logistik hervorgehoben: Der Kanton liegt am westlichen Rand der Schweiz, direkt an der französischen Grenze, und ist von einem hohen Verkehrsaufkommen betroffen. Hinzu kommen die hohen Lohnkosten.
Ein grosser Teil der Produktion ist für den Detailhandel bestimmt. Die Genossenschaft hat zudem die Marke «Côté Jardin» aufgebaut und vier Direktverkaufsstellen eingerichtet – eine bei der Genossenschaft und drei in der Stadt Genf. Dort werden ausschliesslich saisonale Schweizer Produkte angeboten.
Die Öffentlichkeit sensibilisieren: «Légumes en ville»
Das Konzept umfasst einen Garten und einen Demonstrationstunnel, die seit sechs Jahren in einem Park gegenüber dem Kunst- und Geschichtsmuseum auf einem von der Stadt Genf zur Verfügung gestellten Grundstück eingerichtet sind.
Jedes Jahr werden dort rund 200 Schulklassen empfangen, insgesamt etwa 3'000 bis 3'600 Schülerinnen und Schüler. Da Sicherheits- und Hygienevorschriften die Besuche auf Gemüsebaubetrieben einschränken, stellt dieses «Modell eines Gemüsebaubetriebs» ein wertvolles Lernangebot für Schulen und Konsumentinnen und Konsumenten dar. Häufig kehren die Kinder später gemeinsam mit ihren Eltern zurück.
Innovation im Gewächshaus: die Domaine des Mattines
Der Betriebsleiter Jeremy Blondin vertritt die sechste Generation des seit 1814 bestehenden Betriebs. Heute werden dort rund 20 Tomatensorten angebaut. Darüber hinaus produziert der Betrieb Salat und Spargel sowie seit drei Jahren auch Äpfel und weitere Früchte. Auf dem Gelände wurden ausserdem ein Hofladen und Verkaufsautomaten eingerichtet.
Zu den innovativen Technologien des Betriebs gehört die Photovoltaikanlage Voltiris in einem Tomatenproduktionsgewächshaus. Dabei filtern spezielle Module das einfallende Licht: Die für die Photosynthese wichtigen roten und blauen Lichtanteile gelangen zu den Pflanzen. Der übrige Teil des Lichtspektrums wird auf kleine Solarmodule konzentriert, die Strom erzeugen. Eine Batterie soll die Anlage demnächst ergänzen, um den Eigenverbrauch zu erhöhen und die Energieunabhängigkeit zu verbessern.
Ein Teil der Anbaufläche ist für die Salatproduktion in Aeroponik reserviert. Dieses innovative Anbausystem ermöglicht eine erhebliche Wassereinsparung und den Anbau ohne die Notwendigkeit von Pflanzenschutzbehandlungen.
Bio Saveurs und PAV SA: von der Produktion zur Verarbeitung
Georges Vuillod leitet den seit 1945 in Croix de Rozon ansässigen Betrieb. Auf einer Fläche von 75 Hektaren produziert dieser Bio-Gemüse, darunter Salate, Kohl, Lauch, Karotten, Spinat, Kürbisse, Nüsslisalat und Sellerie. Die gesamte Produktion ist für den benachbarten Verarbeitungsbetrieb bestimmt.
Seit zwei Jahren werden mit Unterstützung des kantonalen Amts für Landwirtschaft und Natur (OCAN) sowie unter der agronomischen Begleitung OTM innovative Lasertechnologien zur Unkrautbekämpfung getestet. Zum Einsatz kommt der «Grasshopper» von Caterra, insbesondere bei gesäten Kulturen wie Spinat und Karotten. Die Zusammenarbeit mit dem Zürcher Start-up hat zur Weiterentwicklung des «Honeybee» beigetragen, eines grösseren, leistungsstärkeren und schnelleren Roboters.
Am Verarbeitungsstandort von PAV SA sorgen fünf Produktionsbereiche dafür, dass die gesamte Ernte verwertet wird. Dazu gehören das Waschen und Verpacken von Salaten, die Konfektionierung für den Versand, die Verarbeitung zu Convenience-Produkten (vierte Produktreihe), das Sous-vide-Garen – beispielsweise für Suppen für die Genfer Spitäler – sowie die Sterilisation zur Herstellung von Saucen, Suppen und Brotaufstrichen. Gemüse, das nicht den Anforderungen für den regulären Verkauf entspricht, wird für Convenience-Produkte weiterverarbeitet. Schalen und Überschüsse werden ebenfalls zu Lebensmitteln verarbeitet.
Fazit
Die beiden Seminartage haben gezeigt, dass die Stärke des Genfer Gemüsebaus im Zusammenspiel verschiedener Faktoren liegt: in der gemeinschaftlichen Organisation, der Nähe zu den Konsumentinnen und Konsumenten, technischen Innovationen und der konsequenten Verwertung der gesamten Ernte. Entscheidend für den Erfolg ist die gute Abstimmung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Fotos und Text: Vincent Günther, Obst- und Gemüsebauamt des Kantons Wallis
In der Ausgabe Nr. 6 der Fachzeitschrift "der Gemüsebau" vom 23.11.2026 folgt ein ausführlicher Rückblick.
